Mapathon Hausnummern Wiener Wohnen

In meinem Terminkalender steht ein erfreulich mehrtägiger Aufenthalt in der Stadt Wien, eine gute Gelegenheit um dort eine besondere Adressproblematik größerer Wohnanlagen zu lösen.

Üblicherweise werden Adressen allein von Gemeinden und Städten vergeben. Wien ist hier anders. Wohnbauträger reichen dort Bauanträge, unter Angabe einer -scheinbar willkürlich- gewählten städtischen Zähl Adresse ein. Der Wohnbauträger nummeriert dann seine Wohnobjekt ausgehend von dieser Stadt Basisadresse, als Place selbst weiter.

Das besondere in der Stadt Wien ist nun, dass die Stadt anschließend darauf verzichtet, ihre eigene Adressierung nachzuführen, der Place der Wohnanlage, bleibt hierdurch bestehen, auch dann wenn sich die Wohnanlage über andere Straßenzüge -mit anderen Straßennamen- erstreckt. (Das passt interessanterweise gut zu folgender OSM-Wiki Definition „A neighbourhood (US English neighborhood) „is a geographically localised community within a larger city, town or suburb. These may or may not have distinct boundaries, and may even overlap each other in some cases.“)

Man könnte das auch so beschreiben. Die Stadtplanung erstellt einen Gitter förmigen Raster von Straßen und Straßenbezeichnungen.
Ein Bauträger erscheint, und errichtet eine Wohnanlage welche in ihren Ausmaßen, den Raster der Stadt durch ihrer Größe sprengt. Der Bauträger legt an einem der städtischen Straßen einen Adress- Startpunkt fest, und rollt von dieser Basisadresse ausgehend, dann seine eigene Place Adressierung aus. Die Stadt übernimmt diese Place Adressierung anschließend als amtlich gültige Adresse.

Unsere Problematik ist hierbei nun, dass diese ZMR gültige Place Adressierung, -und bunt gemischt- Identadressen, Zähladressen, Pseudoadressen, ja oder nein real an der Wand vorzufindende Hausnummern, auch mal am falschen Haus montiert. Im Stadtplan Wien, oder sonst mir bekannten Karte korrekt aufscheint.
Ich habe mich im Jahr 2018 mit Wiener Wohnen direkt in Verbindung gesetzt. Wiener Wohnen erlauben uns freundlich, das eigene Verzeichnis der Wohnanlagen Wiener Wohnen für OpenStreetMap Mappingzwecke zu nutzen. Die eigentliche Nummerierung findet sich oft nur im Wohnanlagen Innenhof. Durch diesen bunten Mix an Varianten, ist jedenfalls eine Vorort Begehung notwendig. Besser gesagt, wir und andere werden höflich von den Wiener Geografen hierzu gezwungen. Wobei man dann vielfach vor einer leeren Wand steht.

Thematik Zähl Adressen. Im Osten von Österreich ist es üblich, entlang von neuerrichteten Strassen, Zähl Adressen zu vergeben. Wird eine Parzelle bebaut, wandelt sich die nächst gelegene Zähl Adresse in eine amtliche Haus Adresse um. Dieses Schema findet man auch in der Stadt Wien.

In OpenStreetMap gibt es für Zähl Adressen bislang keinen geeigneten TAG. Es ist also in OSM derzeit nicht möglich diese zu erfassen. Mein Versuch solches trotzdem zu machen hat in einem Revert durchgeführt von der Firma Geofabrik Deutschland (User Nakaner) unschön geendet. Man hätte damals anstatt zu revertieren ein Proposal für Zähladressen erstellen können. Das ist aber offensichtlich nicht passiert. Einerlei, im BEV Adresssatz sind diese Zähl Adressen enthalten. Andere Kartensysteme wie Google Maps zeigen und finden daher diese. OpenStreetMap hingegen nicht.

Situation Wohnanlage Wiener Wohnen Brigittenauer Lände, Vorort Erhebung am 4. Oktober 2019 13:00 – 16:00 Uhr. Lokale Befragung -ausschließlich Personen auf der Straße-, sowie Fotorecherche.

1. Stimme: Typische Wienerin ca. 65 Jahre. Wohnt nach eigener Angabe, bereits seit 50 Jahren in dieser Wohnanlage. Diese legt sich bestimmt beim exemplarischen Objekt https://www.openstreetmap.org/way/50540272 auf = Klosterneuburger Straße 118 Treppe 1 fest.

2. Stimme: Familie Migrationshintergrund, beide sprechen sehr gut Deutsch, wohnen seit 5 Jahren in dieser Wohnanlage = Kennen nur die Bezeichnung Klosterneuburger Straße 118 Treppe 1.

3. Meinung Äterer Herr sehr bestimmt. Lokalpatriot. Dieser differenziert zwischen lokaler Benennung = Brigittenauer Lände 148-154 Treppe 1, und Bezeichnung für Personen ohne Ortskenntnis. Da werde oft die an der Türe angebrachte Nummer verwendet. (Klosterneuburger Straße 118 Treppe 1). Die Post stelle aber alle Varianten zu. (Hinweis die Stadt Wien gibt hier https://www.openstreetmap.org/way/50540272 Klosterneuburger Straße 118-122/1 an, Klosterneuburger Straße 118 oder 118/1 führen hingegen beim Stadtplan ins Nichts).

4. Hinweistafel Wiener Wohnen = Wohnanlage Klosterneuburger- Str. 118-122/1 Diese Tafel steht beim Haus mit der Stiege 12 Dietmayer Gasse, also etwas abseits der Hauptstraße. Ob diese Tafel jemand ortsunkundiger tatsächlich findet. Diese Tafel wirkt auf den Betrachter, wie ein hilfloser Versuch, Licht in diesen Adressdunkel zu bringen. Würde die Situation passen, wäre diese Tafel unnötig.

Schlussfolgerung, der Stadtplan Wien ist keine Karte, sondern eine Datenbankabfrage die allein jenen Leuten dienlich zu sein scheint, die bereits im vollen Wissen der genauen amtlichen Adresse -eingeweihte- sind. Zu diesen auserwählten, gehört auch die Österreichische Post. Sämtliche andere, schauen durch ihre Finger, selbst dann wenn diese vor einem entsprechenden Wiener Gebäude stehen. Eine Möglichkeit wäre blindes probieren, welches dann eine Verletzung der Prinzipien von OpenStreetMap in der Nutzung des Wiener Stadtplanes darstellt. CC BY 4.0 ist für OpenStreetMap definitiv nicht ausreichend.

Bleibt eigentlich nur die einzig verbleibend mögliche Variante, fragliche Adressen in der Bundeshauptstadt mittels Mapillary zu behandeln. Also von jeder in Wien unklar montierten Hausnummer, ein Georeferenziertes Foto anzufertigen. Nur so zwingen wir die hierfür Verantwortlichen, zu den an die Wiener Gemeindebauten gezimmerten Identadressen Farbe zu bekennen.

Fazit: Das noble Ansinnen von Frederik Ramm, wir Mappen nur was wir On the Ground sehen, in Ehren. Sobald Identadressen ins Spiel kommen, hat der ehrenamtliche OpenStreetMap Mappen, mit seinem Stift und Block in der Hand verloren. Erschwerend kommt hinzu, dass das kaum jemand in der Lage ist, ohne direkten Einblick in das AGWRII der Gemeinden, Identadressen verschiedenster Ausprägung http://www.bev.gv.at/pls/portal/docs/PAGE/BEV_PORTAL_CONTENT_ALLGEMEIN/0200_PRODUKTE/PDF/HAUPT-_UND_IDENTADRESSEN.PDF fehlerfrei in OpenStreetMap abzubilden. Es wäre eine programmierte Schnittstelle sowie regelmäßiger Abgleiche nötig. Das wird Gelegenheitsmapper, anschließend trotzdem nicht daran hindern, ein solcherart fein gesponnenes Netz in Unkenntnis der vorliegenden Komplexität doch wieder aus versehen zu zerstören.


Was wir anstreben können, ist, in OpenStreetMap die Basisadresse abzubilden. Das setzt aber voraus, dass diese als Hausnummern Tafel tatsächlich an die Wand geschraubt ist. In der Brigittenauer Lände musste ich feststellen, ist das leider nicht der Fall

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